Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Mathematische Fakultät
Institut für mathematische Logik
und Grundlagen der Mathematik
Universitätssiegel


Was ist Modelltheorie?

Einführung

Modelltheorie ist einer der großen Teilbereiche der mathematischen Logik. Hier sind drei aus der Literatur gegriffene Definitionen: Statt nur eine Struktur M gesondert zu untersuchen, betrachtet die Modelltheorie eine ganze Klasse K von Strukturen, nämlich diejenigen Strukturen N, die in einer bestimmten, dem Problem gemäßen formalen Sprache die gleichen Eigenschaften wie M besitzen. Als Vorteil ergeben sich größere Freiheitsgrade, neue Untersuchungstechniken, und im günstigsten Fall ist eine solche Struktur N leichter zugänglich als M.

In der Regel arbeitet man mit der Logik der ersten Stufe und nimmt für K die zu M elementar äquivalenten Strukturen, d.h. diejenigen, die sich nicht durch eine erststufige Formel von M unterscheiden lassen. im Falle eines algebraisch abgeschlossenen Körpers M sind dies alle anderen algebraisch abgeschlossenen Körper der selben Charakteristik. Im allgemeinen ist es nicht einfach zu bestimmen, welche Strukturen zu einem gegebenen M elementar äquivalent sind.

Die Logik der ersten Stufe gibt einem nämlich zwei wichtige Hilfsmittel an die Hand: den Kompaktheitssatz und den Satz von Löwenheim-Skolem-Tarski. Letzterer garantiert zu jeder unendlichen Struktur M und jeder unendlichen Kardinalzahl µ die Existenz einer zu M elementar äquivalente Struktur der Mächtigkeit µ. Der Kompaktheitssatz besagt, daß eine Menge von Aussagen (ein Axiomensystem) schon dann ein Modell hat, wenn jede endliche Teilmenge davon ein Modell besitzt.

Auf diesen beiden Sätzen gründet sich ein Wechselspiel zwischen Semantik und Syntax, d.h. zwischen Eigenschaften der Strukturklasse einerseits und der Komplexität einer Axiomatisierung der Strukturen andererseits. Ein kleines Beispiel dafür:
Satz: Jede injektive konstruktible Abbildung Cn -> Cn ist surjektiv.
(Konstruktibel bedeutet, daß der Graph der Funktion durch Polynomgleichungen und -ungleichungen beschrieben wird.)
Beweis: Diese Eigenschaft gilt in endlichen Körpern und läßt sich (für jedes gegeben System von Polynomgleichungen und -ungleichungen) in einer erststufigen Formel der Form für alle ... es gibt ... beschreiben. Erste Anwendung der Modelltheorie: dann gilt sie in aufteigenden Vereinigungen von Körpern, in denen sie gilt, also auch in den algebraischen Abschlüssen der endlichen Primkörpern. Zweite Anwendung der Modelltheorie: gilt eine erststufige Eigenschaft in allen algebraisch abgeschlossenen Körpern positiver Charakteristik, so in sämtlichen algebraisch abgeschlossenen Körpern.

Die Modelltheorie gliedert sich wiederum in verschiedene Teilbereiche, etwa:

Literatur

Links

Sternstunden

Offene Fragen


Markus Junker, 25. Mai 2000.